Bundesweite Baulandumfrage: Flächenreserven für bis zu zwei Millionen Wohnungen vorhanden

Eine nachhaltige Siedlungsentwicklung braucht Informationen zu vorhandenen Flächenreserven, die sich für eine Bebauung gut eignen und schnell aktivieren lassen. Im Projekt "Baulandumfrage 2020" haben das IÖR und das IW diese wichtigen Grundlagendaten mit einer bundesweiten Befragung von Kommunen zusammengetragen. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben die Forschenden die Studien-Ergebnisse Ende März präsentiert.

Eine zentrale Herausforderung unserer Zeit ist es, ausreichend bezahlbare Wohnungen zu bauen: 400.000 neue Wohnungen pro Jahr, davon 100.000 im öffentlich geförderten Wohnungsbau lauten entsprechend die Ziele der Bundesregierung. Lange war unklar, ob die Baulandreserven in Deutschland ausreichen. Die Ergebnisse einer Studie zeigen nun: Das Bauland reicht aus. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) hat die Studie in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (jetzt: BMWSB) und das BBSR durchgeführt.

Die Studie beziffert die baureifen, potenziell bebaubaren Flächen bundesweit auf mindestens 99.000 Hektar. Rund zwei Drittel davon sehen die befragten Kommunen für den Wohnungsbau vor. Auf dem Anteil, den die Kommunen davon wiederum als kurzfristig nutzbar einschätzen, lassen sich laut Hochrechnung zwischen 900.000 und zwei Millionen Wohneinheiten realisieren. Je nach Annahmen könnten sogar deutlich mehr Wohneinheiten entstehen. Beim Blick auf die Verteilung der Baulandreserven zeigt sich: Nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Ballungsräumen gibt es erhebliche Flächenpotenziale und damit genau dort, wo neuer Wohnraum dringend gebraucht wird. "Aus unserer Sicht bieten die ermittelten Baulandreserven ein gutes Potenzial für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung. Der Innenentwicklung können die Kommunen damit auch weiterhin Vorrang einräumen", so Andreas Blum, Projektleiter im IÖR. "Gerade unter hohem Siedlungsdruck gewinnt allerdings die doppelte Innenentwicklung an Bedeutung. Es kommt also darauf an, bei aller Verdichtung für ausreichend Grün- und Freiraum und damit für Lebensqualität in dicht besiedelten Räumen zu sorgen", so Blum weiter. Bei der Ermittlung und Aktivierung von Baulandreserven stünden die Kommunen vor weiteren Herausforderungen. Das beträfe zum einen das systematische Flächenmonitoring als Voraussetzung für eine zunächst möglichst vollständige Kenntnis der Potenziale und zum anderen die tatsächliche Aktivierung vorhandener Flächenpotenziale. „Mit Blick auf die personelle Ausstattung der Kommunen und auf die Mitwirkungsbereitschaft der Flächeneigentümerinnen und -eigentümer ist beides nicht immer einfach. Das hat auch der direkte Austausch mit den Kommunen gezeigt, die das Projekt als Fallstudien unterstützt haben“, erklärt Andreas Blum. Doch gebe es in den Kommunen schon jetzt auch großes Engagement und zahlreiche vielversprechende Beispiele. Auch diese haben die Forschenden im Rahmen der Baulandumfrage zusammengetragen und stellen einige in der Ergebnisbroschüre sowie im ausführlichen Abschlussbericht vor.

Die Forschenden befragten deutschlandweit knapp 3.000 Städte und Gemeinden aller Größenklassen. Die Antworten von fast 700 Kommunen, knapp einem Viertel aller kontaktierten Gemeinden, flossen in die Auswertung ein. Auf dieser Basis errechneten die Forschenden bundesweit und regional differenziert die als Bauland verfügbaren Flächen, ermittelten die darauf realisierbaren Wohneinheiten und kalkulierten, wie sich der Wohnraumbedarf mit den vorhandenen Flächen realisieren ließe. Zusätzlich ermittelten die Projektpartner Baulandpotenziale, die langfristig zu erschließen sind. Fallstudien ergänzten die standardisierte Befragung. Diese vertiefenden Analysen in ausgewählten Kommunen hatten das Ziel, innovative und wegweisende Ansätze und Erfahrungen mit der Erfassung und Mobilisierung von Baulandpotenzialen aufzuzeigen und die Ergebnisse der standardisierten Erhebung mit qualitativen Beispielen aus der kommunalen Praxis zu untersetzen.


Originalpublikationen
Ergebnisbroschüre (51 Seiten):
Blum, Andreas; Atci, Mehmet M.; Roscher, Julia; Henger, Ralph; Schuster, Florian (2022): Wohnraum schaffen, Flächen schonen. Bauland- und Innenentwicklungspotenziale in Deutschland. Berlin: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB).

Abschlussbericht (231 Seiten):
Blum, Andreas; Atci, Mehmet M.; Roscher, Julia; Henger, Ralph; Schuster, Florian (2022): Bauland- und Innenentwicklungspotenziale in deutschen Städten und Gemeinden. BBSR-Online-Publikation 11/2022; Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
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Pressemitteilung des BMWSB


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Andreas Blum, E-Mail: A.Blumioer@ioer.de

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