IndiaInfra

Entwicklung eines analytischen Rahmens für die Integration von Infrastrukturversorgung und Siedlungssystemen in indischen Stadtregionen

Die Urbanisierung des 21. Jahrhunderts, die sich unter dem Einfluss der Neoliberalisierung in den Ländern des Globalen Südens entfaltet, ist durch einen beispiellosen Anstieg der Bevölkerung und des Infrastrukturbedarfs gekennzeichnet. Hinzu kommt eine dramatische räumliche und institutionelle Transformation, die die Ungleichheit auf mehreren Ebenen verschärft hat. Die Vereinten Nationen prognostizieren in ihrem Bericht „World Urbanisation Prospects: The 2018 Revision“, dass die Verstädterung bis 2050 auf 70 % ansteigen wird, wobei sich vor allem in der Mehrheit der Länder des globalen Südens die Bevölkerung verdoppeln wird. Die nachhaltige Bewältigung dieses Wachstums in Verbindung mit der Bereitstellung von Infrastruktur bleibt damit eine Herausforderung.

Zwei wichtige Formen der räumlichen Transformation, die Ungleichheit im Rahmen der Neoliberalisierung manifestieren, sind die Entwicklung von Megaprojekten der nationalen Regierungen zur Kapitalakkumulation sowie die Landnutzung, die infrastrukturelle und sozio-metabolische Transformation der nichtstädtischen Räume, um die sozioökonomische Dynamik und die Entwicklung der Metropolen zu unterstützen. Es gibt hinreichende Belege dafür, dass die Vorteile dieser Megaprojekte nicht nach unten durchsickern und die sozialräumlichen Ungleichheiten verschärfen. Auch die ländlich-urbanen Transformationen im Kapitalismus, die mit dem ungleichen Zugang zu Ressourcen einhergehen, erzeugen kontinuierlich unterschiedliche, ungleich entwickelte sozialräumliche Konfigurationen.

Folglich bleibt die Zunahme von Ungleichheiten nicht nur für Forschende, sondern auch für politische Entscheidungsträger*innen ein wichtiges Thema, die Debatte dazu hat sich in letzter Zeit noch verschärft, da nach wie vor erhebliche theoretische und empirische Forschungslücken bei der Untersuchung von Ungleichheiten bestehen. Wissenschaftler*innen betonen den Bedarf an neuen Ansätzen, um Ungleichheiten über Raum, Maßstab und Zeit hinweg zu beschreiben und zu erklären.

Zwei Initiativen, die als entscheidend angesehen werden, um räumliche Ungleichheiten zu reduzieren, sind die räumliche Dezentralisierung und die Entwicklung von Korridoren, um die sozioökonomische Entwicklung in die Randgebiete zu tragen. In Indien ist die räumliche Dezentralisierung seit dem ersten Interim General Plan for Greater Delhi von 1956 ein traditioneller Bestandteil der Raumplanung. Im Jahr 2006 verabschiedete Indien die Strategie des Delhi-Mumbai-Industriekorridors mit dem übergeordneten Ziel, eine starke wirtschaftliche Basis zu schaffen, um die Zahl der Arbeitsplätze im Produktions- und Dienstleistungssektor zu erhöhen und die regionale und städtisch-ländliche Konnektivität zu verbessern und so auch die rückständigeren Gebiete zu entwickeln. Trotz dieser Initiativen ist die indische Städtelandschaft durch räumliche Ungleichheiten gekennzeichnet, wobei sich das Wachstum auf die großen Metropolen konzentriert.

Laut dem Bericht der Vereinten Nationen World Population Prospects 2019: Highlights wird Indien eines der neun Länder sein, in denen sich mehr als die Hälfte des zukünftigen Wachstums konzentrieren wird, mit einem absoluten Anstieg um 273 Millionen Menschen zwischen 2019 und 2050. Angesichts der vorherrschenden Disparitäten wird die Bewältigung dieses Anstiegs eine enorme Herausforderung für Indien darstellen, da die institutionellen Kapazitäten zur Bewältigung des Wachstums und zur Bereitstellung von Infrastruktur begrenzt sind. Die Förderung und Wiederherstellung der Nachhaltigkeit wird daher entscheidend sein für Indiens Urbanisierungsprozess.

Ergebisse

Die folgenden veröffentlichten oder eingereichten Forschungsarbeiten sind Ergebnis dieses Projektes:

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem; Mukherjee Basu, Anurima (2021): Integrating spatial development with infrastructure provision along an envisioned transport corridor: A conceptual framework and its application to India. In: Land Use Policy, 104: 105364.

doi.org/10.1016/j.landusepol.2021.105364 

Jain, Manisha; Jehling, Mathias (2020): Urban cycle models revisited: Insights for regional development in India. In: Cities, 107, 102923, S. 1-12.
http://doi.org/10.1016/j.cities.2020.102923

Jain, Manisha; Jehling, Mathias (2020): Analysing transport corridor policies: An integrative approach to reduce spatial and social disparities in India. In: Journal of Transport Geography, 86, 102781, S. 1-10.
https://doi.org/10.1016/j.jtrangeo.2020.102781

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem (2020): Urbanisation as the rise of census towns in India: An outcome of traditional master planning? In: Cities, 99, 102627.
https://doi.org/10.1016/j.cities.2020.102627

Jain, Manisha; Hecht, Robert (2019): Spatial assessment of commuting patterns in India’s National Capital Region. In: Built Environment, 45 (4), S. 507-522.
https://doi.org/10.2148/benv.45.4.507

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem (2019): Detection of urban system in India: Urban hierarchy revisited. In: Urban and Landscape Planning, 190, 103588, S. 1-10.
https://doi.org/10.1016/j.landurbplan.2019.103588

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem; Namperumal, Sridharan (2019): Determinants of growth in non-municipal areas of Delhi: Rural-urban dichotomy revisited. In: Journal of Housing & Built Environment, 34, S. 715-734.
https://doi.org/10.1007/s10901-019-09655-1

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem; Hecht, Robert (Under Review): Two decades of urban and rural restructuring in India: An empirical investigation. In: Habitat International.

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem (Under Review): Discerning institutional and spatial restructuring under emergent neoliberal projects in India. In: Political Geography.

Jain, Manisha; Korzhenevych, Artem (Under review): The concept of planetary urbanization applied to India’s rural to urban transformation. In: Cities.

Jain, Manisha (under progress): Assessment of spatial disparities in India: a contribution to advancing urban research methods in rapid growth contexts. (Habilitation manuscript)

 

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

Das Institut wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.