Baulandumfrage 2020

Bundesweit repräsentative Stichprobe zu Bauland- und Innenentwicklungspotenzialen

Für ein informiertes und zukunftsgerechtes Flächenmanagement – zwischen dem vielerorts akuten Ruf nach einer verstärkten Bereitstellung von Bauland einerseits und der Verminderung der Flächen-Neuinanspruchnahme als Ziel nachhaltiger Entwicklung andererseits – braucht es belastbare Grundlagendaten. Hauptziel des Projektes ist deshalb im Anschluss an frühere bundesweite Umfragen die Erhebung aktueller Daten und Informationen zu Baulandreserven und Innenentwicklungspotenzialen sowie zum Stand und zu Methoden der Baulanderfassung und –mobilisierung in deutschen Städten und Gemeinden. Die Durchführung des Projektes erfolgt im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Kooperation mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW, Köln). Die Erhebung wird durch den Deutschen Städtetag sowie den Deutschen Städte- und Gemeindebund unterstützt.

Ausgangslage

Zwei wesentliche Themen bestimmen seit einigen Jahren die Diskussion zur Flächennutzung im Rahmen der Siedlungsentwicklung. Zum einen sind die Begrenzung der Flächenneuinanspruchnahme und der Schutz des Bodens zentrale Ziele einer nachhaltigen Entwicklung der gebauten Umwelt auf internationaler und europäischer Ebene ebenso wie in nationalen Programmen. So wird ein verantwortungsvoller Umgang mit den globalen Flächen-Ressourcen als wesentliches Querschnitts-Element bei der Erreichung der "Sustainable Development Goals" gesehen. Für die europäische Ebene formuliert der "Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa" das Ziel, "die Landnahme so zu reduzieren, dass bis 2050 netto kein Land mehr verbraucht wird". Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie konkretisiert dieses Anliegen mit dem Ziel, die tägliche Flächenneuinanspruchnahme bis zum Jahr 2030 auf unter 30 ha/Tag zu begrenzen.

Zum anderen wird vielerorts – und insbesondere in Siedlungsräumen unter Wachstumsdruck – der Bedarf an einer verstärkten und beschleunigten Bereitstellung von Bauland thematisiert. Gelingt dies nicht, drohen die Preise und Mieten weiter zu steigen und bezahlbarer Wohnraum so knapp zu werden, dass sich nicht mehr alle Haushalte mit ausreichend Wohnfläche versorgen können. Um eine angemessene Wohnungsversorgung zu gewährleisten, hat die Baulandkommission im Juli 2019 Vorschläge gemacht, die auch die Empfehlung für verbesserte Datengrundlagen zum Thema Bauland und eine höhere Transparenz von Baulandpotenzialen und -bedarfen enthält (Baulandkommission 2019).

Gleichzeitig wird eine regelmäßige, bundesweit vergleichbare Erhebung von Kerninhalten für ein Flächenmanagement und Baulandmonitoring in Deutschland nach wie vor nicht durchgeführt. Unabhängig von Erhebungen auf kommunaler, regionaler oder Landes-Ebene liegen als aktuellste Querschnitt-Erhebungen auf Bundesebene Baulanderhebungen von 2003 und 2006 sowie eine Erhebung von Innenentwicklungspotenzialen von 2012 vor. Damit fehlen wesentliche aktuelle Grundlagen für die informierte Gestaltung einer zukunftsgerechten Baulandversorgung.

Ziele

Hauptziel dieses Vorhabens ist dementsprechend eine bundesweite Erhebung der Bauland- und Innenentwicklungspotenziale mittels einer Umfrage bei Städten und Gemeinden. Erhoben werden Flächenpotenziale für Wohnen, Gewerbe und andere Nutzungen als Grundlage bundesweiter und – soweit möglich – regionalisierter, sowie nach Raumtypen differenzierter Hochrechnungen.

Neben der Quantifizierung von Bauland- und Innenentwicklungspotenzialen liegt ein weiterer Schwerpunkt der Erhebung auf der Abbildung von Situation und Entwicklungstendenzen bei der Flächenerfassung und dem Flächenmanagement. Dabei geht es sowohl um die Inhalte (Brachflächen, Baulücken, Leerstand etc.) als auch um Praktiken und verwendete IT-Lösungen (Flächenmanagement-Systeme, -Datenbanken, -Tools etc.).

Ein drittes wesentliches Anliegen der Untersuchungen ist schließlich, Erkenntnisse zur Aktivierbarkeit von Bauland- und Innenentwicklungspotenzialen und Mobilisierungsaktivitäten zu erheben, also die tatsächliche Verfügbarkeit der Potenzialflächen abzuschätzen und erfolgversprechende Ansätze zur Baulandmobilisierung aufzuzeigen.

Und letztlich werden ergänzend zu den nationalen, länderspezifischen und kommunalen Beispielen auch instruktive internationale Aktivitäten und Erfahrungen mit der Erfassung und Mobilisierung von Baulandpotenzialen recherchiert und ausgewertet.

Forschungsansatz

Der grundsätzliche Forschungsansatz der Baulandumfrage 2020 baut auf 3 methodische Zugänge:

  • Vorbereitende Recherchen zu Methoden und Status der Baulanderfassung und -mobilisierung
  • Durchführung einer Online-Umfrage unter Städten und Gemeinden
  • Durchführung von Fallstudien-Untersuchungen

Im Rahmen der vorbereitenden Recherchen werden vorliegende Erfahrungen, Ansätze, Methoden und Tools zur Baulanderfassung und -mobilisierung recherchiert und dargestellt. Hierbei sollen Initiativen auf den verschiedenen föderalen Ebenen (Bund, Länder, Regionalplanung, Kommunen) betrachtet werden. Diese Recherche wird mit einigen interessanten internationalen Ansätzen ergänzt, die als Best-Practice-Beispiele auch auf Deutschland übertragen werden können. Ziel der Analyse ist es außerdem, den Untersuchungsrahmen hinsichtlich der Erfassung von Baulandpotenzialen zu konkretisieren, also beispielsweise festzulegen, welche Flächenarten einzubeziehen sind.

Den Kern des Projektes bildet die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Baulandumfrage 2020 als standardisierte Online-Erhebung. Inhaltlich wird auf Kernelemente des Fragebogens der Innenentwicklungs-Studie von 2012 sowie auf die Fragebögen "Wohnbauland" und "Gewerbebauland" der Baulandumfrage von 2006 aufgebaut. Auf Anregung aus dem Deutschen Städtetag erfolgte außerdem eine Zusammenlegung der Umfrage mit einem thematisch naheliegenden Vorhaben des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu, Berlin) im Auftrag des Umweltbundesamtes zu Fragen der Kosten-Nutzen-Abschätzung der Flächenentwicklung. Die Stichprobe für die Befragung umfasst rund 3.000 Städte und Gemeinden, darunter alle Städte und Gemeinden ab 10.000 Einwohner/-innen sowie eine geeignete Auswahl kleinerer Städte und Gemeinden. Die Durchführung der Befragung erfolgt ab Juli 2020. Eine Druckfassung des online Fragebogens kann heruntergeladen werden.

Ergänzend zur Umfrage werden mehrere systematisch ausgewählte Kommunen unterschiedlicher Raumtypen und Entwicklungskontexte in Kooperation mit lokalen Praxisakteuren als Fallstudien einer intensiveren Analyse unterzogen. Zentrales Ziel der Fallstudienuntersuchungen ist es, in Erweiterung und Vertiefung der grundlegenden Recherchen innovative und wegweisende Ansätze und Erfahrungen mit der Erfassung und Mobilisierung von Baulandpotenzialen aufzuzeigen. Zudem dienen die Fallstudienuntersuchungen dazu, die Ergebnisse der standardisierten Erhebung qualitativ zu untersetzen.

Forschungsleitfragen

Die Untersuchungen zielen auf die Beantwortung folgender zentraler Forschungsleitfragen:

  • Wieviel Bauland- und Innenentwicklungspotenziale stehen nach Einschätzung der Kommunen in Deutschland zur baulichen Nutzung bundesweit und in den verschiedenen Raumtypen zur Verfügung?
  • Welche Qualitäten (Lage, Zuschnitt, Belastung) und welche Herkunft (Wohnen / Gewerbe / Freiflächen / Sonstiges) weisen die Bauland- und Innenentwicklungspotenziale auf?
  • Welche zukünftigen Nutzungen sind vorgesehen, wieviel Wohn- oder Gewerbeeinheiten könnten auf den Flächen realisiert werden?
  • Wie stellt sich die Situation bei der Flächenerfassung, der Flächeninformation und dem Flächenmanagement dar; welche Ansätze, Instrumente und Entwicklungstendenzen gibt es hier?
  • Welche Erfahrungen und Ansätze gibt es hinsichtlich der Mobilisierbarkeit der Flächen; wie wird der Zeitrahmen bis zu ihrer Bereitstellung eingeschätzt (realisiert / aktuell mobilisierbar / geplant)?
  • Welche nationalen, länderspezifischen und kommunalen Aktivitäten und Erfahrungen mit der Erfassung und Mobilisierung von Baulandpotenzialen gibt es über die im Rahmen der Umfrage und den Fallstudien erhobenen Beispiele hinaus? Welche internationalen Beispiele und Erfahrungen bieten geeignete Anknüpfungspunkte zur Übertragung auf die Situation in Deutschland?

 Weitere Informationen finden Sie auch auf der Projekt-Webseite des BBSR.

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