"Stadt der Zukunft auf Probe" – Erste Teilnehmende starten ihren Probeaufenthalt in Görlitz

Im Projekt "Stadt der Zukunft auf Probe – Ein Wohn- und Arbeitsexperiment für ein klimaneutrales Görlitz" startet nun die Phase der Probeaufenthalte. Bis Ende des Jahres können die ersten drei Teilnehmenden Görlitz als Wohn-, Arbeits- und Lebensort ausprobieren. Während ihres dreimonatigen Aufenthaltes werden sie die Stadt mit ihren Ideen und ihrer Expertise auf dem Weg zu Klimaneutralität und mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Bis März 2023 sind insgesamt 18 dieser Probeaufenthalte vorgesehen.

 

Rund 60 Bewerbungen für die Teilnahme am Projekt „Stadt der Zukunft auf Probe“ sind bisher beim Projektteam im Interdisziplinären Zentrum für transformativen Stadtumbau (IZS) in Görlitz eingegangen. Ein- und Zwei-Personen-Haushalte sind ebenso darunter wie Familien mit Kindern. Viele Großstädter*innen – vor allem aus Berlin und Dresden – interessieren sich für die Teilnahme. Bewerbungen kamen aber auch aus anderen Regionen Deutschlands sowie aus Polen, Österreich, den USA und Brasilien.

Bis März 2023 können insgesamt 18 Haushalte drei Monate lang zur Probe in Görlitz leben. „Die Teilnehmenden testen nicht nur das Leben in der Stadt, sie können und sollen Görlitz vielmehr auch aktiv mitgestalten, indem sie ihre Ideen und Expertise zu den Themen nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaneutralität einbringen“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Robert Knippschild. „Deshalb war bei der Bewerbung auch gefordert, eine Projektskizze einzureichen und anzugeben, mit welchen Institutionen oder Akteur*innen in der Stadt eine Zusammenarbeit denkbar wäre.“ Bei der Auswahl der Teilnehmenden war unter anderem ausschlaggebend, ob die Projektidee zum ambitionierten Ziel der Stadt Görlitz beitragen kann, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. „Es haben uns höchst interessante Bewerbungen erreicht“, so Robert Knippschild. „Viele versprechen, für die Stadt Görlitz einen echten Mehrwert zu bringen, auch über den Probeaufenthalt von drei Monaten hinaus. Einige Bewerber*innen können einen solch langen Aufenthalt allerdings nicht realisieren. Sie konnten wir beim Auswahlprozess leider nicht berücksichtigen.“

Für die Teilnehmenden stehen kostenfrei Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen zur Verfügung. Unternehmen und Forschungseinrichtungen fungieren als Gastgebende für einen vorübergehenden Arbeitsaufenthalt. Außerdem stellen verschiedene lokale Initiativen Räumlichkeiten bereit, etwa für künstlerisch-kreative Aufenthalte.

Die ersten Teilnehmenden werden sich mit sehr unterschiedlichen Ansätzen in die Stadt einbringen: Eine Theaterpädagogin aus Sachsen möchte in Zusammenarbeit mit dem Wildwuchs e. V. und gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus Görlitz ein nachhaltiges Kunstprojekt umsetzen. Es wird darum gehen, wie eine klimaneutrale Stadtgestaltung aussehen, sich anfühlen und mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden kann. Die zweite Teilnehmerin unterstützt normalerweise als Projektmanagerin lokale Initiativen in ländlichen und städtischen Kommunen in ihrem Heimatland Polen und in anderen Ländern. In Görlitz wird sie vom KoLABOR aus arbeiten und untersuchen, wie groß das Potenzial der Zivilgesellschaft von Görlitz/Zgorzelec ist, sich für eine klimaneutrale Entwicklung zu engagieren. Zugleich möchte sie mit Interessensgruppen und lokalen Akteur*innen beidseits der Grenze ins Gespräch kommen und zu ihrer engeren Vernetzung beitragen. Der dritte Teilnehmende ist selbstständiger Datenwissenschaftler aus Berlin. Er beschäftigt sich mit Verkehrsoptimierung, Sharing-Konzepten und intelligenten Verkehrszählungen. Seine Kenntnisse möchte er in der Hochschule Zittau/Görlitz einbringen und sein Wissen darüber hinaus an interessierte Görlitzer*innen sowie lokale Unternehmen weitergeben.

Die Probeaufenthalte werden durch das IZS wissenschaftlich begleitet. Unter anderem gehen die Forschenden der Frage nach, inwiefern eine an Klimaneutralität und Nachhaltigkeit orientierte Stadtentwicklung dazu beitragen kann, qualifizierte Arbeitskräfte in kleinere und mittelgroße Städte zu ziehen. Weitere Fragen sind: Welche Rolle kann ein gezielter Zuzug für den Wandel zu nachhaltigeren Lebens- und Arbeitsweisen in diesen Städten spielen? Wie beeinflussen die potenziellen Zuzügler*innen mit ihrem Engagement für Klimaneutralität und Nachhaltigkeit die Stadtgesellschaft?

Die Plätze im Projekt sind weitestgehend vergeben. Für wenige freie Plätze in der späteren Projektphase sind Bewerbungen noch bis zum 31. Oktober 2021 möglich. Die Bewerbung erfolgt online über ein Formular auf der Internetseite des Projektes. Voraussetzung für die Bewerbung ist die Einreichung einer Projektskizze.

Informationen zum Projekt und Bewerbung

 

Kontakt im IÖR/IZS

Prof. Dr. Robert Knippschild (Projektleitung), E-Mail: R.Knippschildioer@ioer.de
Constanze Zöllter (Projektbearbeitung), E-Mail: C.Zoellterioer@ioer.de

Hintergrund

Das Projekt wird im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI)/Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert.
https://www.nationale-stadtentwicklungspolitik.de/
Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), vertreten durch das in Görlitz ansässige Interdisziplinäre Zentrum für transformativen Stadtumbau (IZS), setzt das Projekt gemeinsam mit lokalen Partnereinrichtungen um

Überblick über die Projektpartner

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

Das Institut wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.