IÖR: Welches sind die fachlichen Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Dietlinde Köber: Ich bin seit 21 Jahren in Lehre, Forschung und Praxis tätig. Ich unterrichte am Lehrstuhl Massivbau der Technischen Universität Bukarest und als Lehrbeauftragte an der HTWG Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung. Meine Schwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Stahlbetonbauten und erdbebensicheres Bauen.
Auch in der Forschung beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema erdbebensicheres Bauen. Ich erforsche, wie sich Gebäude zum Beispiel durch antiseismische Vorrichtungen, also durch den Einbau spezieller mechanischer Bauteile, vor Schäden schützen lassen. Stahlbetonbauten nehme ich dabei genauso in den Blick wie Gebäude aus Mauerwerk, Holz oder Lehm, die in meiner Heimat Rumänien, aber auch in vielen anderen Erdbebengebieten verbreitet sind.
Was hat Sie bewogen, sich für das IÖR-Fellowship zu bewerben? Welche fachlichen Schnittstellen gibt es zwischen Ihrer Arbeit und der Forschung des IÖR?
Im vorigen Jahr habe ich Regine Ortlepp vom IÖR beim 21. International Probabilistic Workshop (IPW 2025) in Rostock kennengelernt. Ich habe dort einen Vortrag zu Hochhäusern aus Stahlbeton und den besonderen Herausforderungen durch Erdbeben mit sehr langen Schwingungsperioden des Bodens gehalten. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben festgestellt, dass uns ähnliche Forschungsfragen beschäftigen, die es lohnt, gemeinsam anzugehen.
Wir planen eine Forschungskooperation zum Schwerpunkt Materialverbrauch und Nachhaltigkeit von Gebäuden in Mittel- und Osteuropa. Hier interessiert uns vor allem die Frage, wie Gebäude möglichst nachhaltig und trotzdem widerstandfähig gegenüber Umweltrisken wie Erdbeben konstruiert werden können.
Welche Möglichkeiten hat Ihnen das IÖR-Fellowship eröffnet?
Ich habe meinen Gastaufenthalt im Rahmen des IÖR-Fellowship-Programmes sehr gut nutzen können, um mich mit dem Team des Forschungsbereiches Gebaute Umwelt zu gemeinsamen Forschungsvorhaben auszutauschen. Für einen möglichen Projektantrag habe ich erste Vorstudien zu Materialverbrauch für Gebäude in Erdbebengebieten vorgenommen.
Zudem konnte ich sehr konzentriert die Teilnahme an verschiedenen Konferenzen nach- bzw. vorbereiten. Im Juli hatte Regine Ortlepp auf der jährlichen Konferenz der International Sustainable Development Research Society (ISDRS) zu unserem gemeinsamen Thema vorgetragen. Hierzu haben wir während meiner Zeit am IÖR weitergearbeitet und für diese Fachcommunity der Nachhaltigkeitswissenschaften ein Paper geschrieben. Schon im Vorfeld meiner Zeit am IÖR hatten wir ein erstes gemeinsames Paper für die 18. European Conference on Earthquake Engineering in Berlin eingereicht. Dort werden wir Mitte September gemeinsam vortragen.
Hatten Sie auch Gelegenheit, Dresden ein bisschen kennenzulernen? Was hat Ihnen besonders gefallen?
Am meisten an Dresden hat mir die Altstadt mit ihrem imposanten Anblick gefallen. Auch die Umgebung von Dresden bietet vielerlei Möglichkeiten, sich an Natur und Geschichte zu freuen.
Was nehmen Sie mit aus Ihrer (wenn auch recht kurzen) Zeit am IÖR und in Dresden mit?
Ich habe die Zeit am IÖR genossen und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Auch konnte ich mich in dieser Zeit selbst weiterentwickeln und zukunftsorientiert forschen.
Die Fragen hat Professorin Dietlinde Köber schriftlich beantwortet.
Wissenschaftlicher Kontakt am IÖR
Dr.-Ing. habil. Regine Ortlepp, E-Mail: r.ortleppioer@ioer.de