IÖR-Experte bei parlamentarischem Fachgespräch zu nachhaltiger Flächenpolitik

Um bundesweit bis 2050 eine nachhaltige Flächenentwicklung zu erreichen, braucht es eine integrierte und konsequente Steuerung und größere Anstrengungen als bisher. Dies machte Martin Behnisch, Leiter des Forschungsbereiches „Raumbezogene Information und Modellierung“ im IÖR, bei einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen am 20. Mai deutlich. Er war zu dem Fachgespräch als Sachverständiger geladen, ebenso wie Inga Glander von der Bundesstiftung Baukultur, die in ihrem Vortrag den Schwerpunkt auf die Umnutzung und nachhaltige Transformation des heutigen Gebäudebestandes legte.

Im Mittelpunkt des Fachgesprächs mit Martin Behnisch stand die Frage, wie die ambitionierten Ziele einer nachhaltigen Flächenentwicklung bis 2050 erreicht werden können. Der Wissenschaftler vom IÖR machte deutlich, dass eine wirksame Flächenkreislaufwirtschaft langfristig nur durch ein Zusammenspiel zusätzlicher politischer, planerischer und sektorübergreifender Maßnahmen realisierbar erscheint.

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen betonte Martin Behnisch, dass Flächenpolitik nicht isoliert betrachtet werden sollte, sondern integrativ mit Transformationsprozessen in den Bereichen Energie, Wohnen und Wirtschaft verzahnt werden muss. Er machte deutlich, dass durch den Ausbau erneuerbarer Energien und die anhaltende Nachfrage nach Wohn- und Mischnutzungen die Anforderungen an eine effiziente Flächennutzung steigen. Um Nutzungskonflikte zu minimieren, seien insbesondere Strategien der Bündelung, Mehrfach- und Mischnutzung sowie eine stärkere Nutzung bestehender Siedlungsstrukturen zentral. Ergänzend wies er auf die Bedeutung baulicher und planerischer Instrumente wie Dach- und Fassaden-Photovoltaik als Bausteine einer flächeneffizienten Entwicklung hin.

Ein weiterer Schwerpunkt des Fachgesprächs lag auf der fortschreitenden Inanspruchnahme von Freiraumflächen und der damit verbundenen Zersiedlung. In diesem Zusammenhang verwies Martin Behnisch auf wissenschaftliche Analysen, die deutlich machen, dass ein kontinuierliches Monitoring der Siedlungsentwicklung und eine frühzeitige Bewertung von Planungsvorhaben in dieser Hinsicht unerlässlich sind. Gleichzeitig betonte der Wissenschaftler das Potenzial digitaler und KI-gestützter Planungswerkzeuge. Digitale Planungsansätze könnten dazu beitragen, unterschiedliche Szenarien besser zu bewerten und Entscheidungsprozesse in Kommunen und Ländern im Sinne einer flächeneffizienten Entwicklung zu unterstützen.

Abschließend stellte Martin Behnisch heraus, dass die Erreichung der flächenpolitischen Ziele eine koordinierte Anstrengung aller staatlichen Ebenen erfordert. Eine stärkere regionalplanerische Steuerung – etwa über Mindestdichten, Innenentwicklungsquoten oder Flächenkontingente – könne dabei einen wichtigen Beitrag zur Reduktion weiterer Flächeninanspruchnahmen leisten.

Die Aufzeichnung des Fachgespräches zum Thema „Nachhaltige Flächenpolitik“ ist über die Mediathek des Deutschen Bundestages abrufbar.

Wissenschaftlicher Kontakt im IÖR

Prof. Dr. Martin Behnisch, E-Mail: m.behnischioer@ioer.de

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.