Am 5. Dezember 2025 hat die Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft das neue „Leitbild Nachhaltigkeit“ verabschiedet. Es umfasst ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit, beschreibt die Herangehensweise, und konkretisiert die Umsetzung für vier zentrale Handlungsfelder. Diese Gliederung orientiert sich am Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen (LeNa).
Die vier Handlungsfelder sind:
- Strategie- und Organisationsentwicklung
- Forschungsprozess
- Personalentwicklung und -management
- Forschungsbetrieb (einschließlich Gebäude, Infrastruktur, Beschaffung und Mobilität)
Das IÖR begrüßt insbesondere das mit dem Leitbild aktualisierte Verständnis von Nachhaltigkeit als einem Leitgedanken zur Erfassung und Bewältigung großer gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen. Dies beinhaltet neben dem übergeordneten Ziel, dazu beizutragen, dauerhaft die bestmögliche Daseinsqualität für alle Menschen und für die Natur zu gewährleisten, insbesondere auch die hierfür erforderlichen Prozessqualitäten – ein zentraler Aspekt der in den meisten Definitionen von Nachhaltigkeit leider nicht angemessen reflektiert wird.
Darüber hinaus werden in jedem der vier Handlungsfelder wesentliche Ansatzpunkte zur Umsetzung benannt. Dabei werden Handlungsprinzipien und -optionen aufgezeigt, die sich auf die sehr unterschiedlichen Profile und Aktivitäten der Leibniz-Einrichtungen anwenden lassen. Das neue Leitbild ermöglicht deshalb eine organisationsspezifische Ausgestaltung des Nachhaltigkeitsmanagements mit eigener Schwerpunktsetzung, bietet jedoch gleichzeitig eine gemeinsame Grundlage und wertvolle Orientierung. Der Leibniz-Arbeitskreis Nachhaltigkeitsmanagement fördert hierzu den Austausch, schafft Synergien zwischen den Mitgliedseinrichtungen und bietet eine Plattform zum Teilen von Expertisen und Erfahrungen.
Zur Entwicklung des Leitbildes hatte das Leibniz-Präsidium 2022 eine „Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit“ eingesetzt, in die auch Prof. Dr. Marc Wolfram, Direktor des IÖR, berufen wurde. Die Gruppe hatte zunächst darüber beraten, in welcher Form eine breite Verankerung von Nachhaltigkeit in der Leibniz-Gemeinschaft effektiv und effizient gelingen kann, und sich schließlich für den Weg eines detaillierteren Leitbildes entschieden.
„Mit der Produktion und Qualitätssicherung von Wissen kommt den Wissenschaften bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit eine maßgebliche Rolle und Verantwortung zu. Sie sind integraler Bestandteil der hierfür notwendigen gesellschaftlichen Prozesse und müssen zugleich dafür Sorge tragen, auch ihre internen Strukturen und Praktiken an Nachhaltigkeit auszurichten. Das neue Leitbild macht dies sehr gut deutlich“, erläutert Marc Wolfram.
Das IÖR misst dem Nachhaltigkeitsmanagement eine hohe Bedeutung bei, was sowohl in der Satzung des Institutes als auch in seinem Leitbild begründet ist. 2022 wurde hierfür eine Stelle in der Direktion eingerichtet, die alle damit verbundenen Prozesse koordiniert. Vielfältige Maßnahmen wurden bereits erfolgreich implementiert. Ein Beispiel hierfür ist das Pilotvorhaben „Klimaneutraler Forschungsbetrieb bis 2035“, welches das IÖR gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) als eines von zehn Pilotprojekten der Leibniz-Gemeinschaft durchgeführt hatte. Im Rahmen dieses Projekts wurde ein Ansatz zur Treibhausgasbilanzierung entwickelt, der auch das Monitoring umfasst. Dabei lag ein besonderer Fokus auf oft schwer berechenbaren Emissionen, etwa aus der Beschaffung und dem Mobilitätsmanagement. Weitere Maßnahmen werden im Rahmen einer 2025 erarbeiteten Nachhaltigkeits-Roadmap kontinuierlich in allen vier Handlungsfeldern entwickelt.
Das neue „Leitbild Nachhaltigkeit“ wird zeitnah auf der Internetseite der Leibniz-Gemeinschaft veröffentlicht.
Kontakt im IÖR
Stella Jathe, Nachhaltigkeitskoordinatorin, E-Mail: s.jatheioer@ioer.de